Mikwaot der Welt Jüdische Ritualbäder

Gebet nach dem ers­ten
Ein­tau­chen

Ge­lobt seist Du, Ewi­ger, unser G‘tt, König der Welt,
der uns durch Seine Ge­bo­te ge­hei­ligt hat, und der uns
das Un­ter­tau­chenTwila
טבילה


be­foh­len hat.

Ba­ruch ata ado­nai elohei­nu me­lech ha-olam asher
kid-shanu b‘­mitz­vo-tav v‘tzi-vanu al ha-te­vilah.

Bles­sed are You, Ado­nai, Ruler of the Uni­ver­se, Who
has sanc­ti­fied us with the mitz­vot and com­man­ded
us con­cer­ning im­mer­si­on.

Ri­tu­al­bä­der sind Teil des jü­di­schen Kul­tus. Ba­de­ein­rich­tun­gen wur­den be­reits bei Aus­gra­bun­gen aus der An­ti­ke ent­deckt. Sehr alte Mik­waot sind auf Ma­sa­da und in Kora­zin in Is­rael zu ent­de­cken.

Eine teil­wei­se Er­wär­mung des Was­sers in einer MikweWasseransammlung
מקוה
, die z.B. von Quell­was­ser ge­speist wird, ist durch hin­zu­ge­schöpf­tes war­mes Was­ser ge­ne­rell mög­lich. Im Laufe der Jahr­hun­der­te wur­den dazu ver­schie­de­ne Tech­ni­ken ent­wi­ckelt. Mo­der­ne Mik­waot ab der Mitte des 20. Jahr­hun­derts bie­ten zu­meist neben hy­gie­ni­schen Stan­dards wie ge­ka­chel­ten Be­cken immer auch er­wärm­tes Was­ser.

Für die ri­tu­el­le Rein­heitTahor
טהור
einer jü­di­schen Ge­mein­de ist eine Mikwe es­sen­ti­ell. Daher ist ein Ri­tu­al­bad frü­her sogar prin­zi­pi­ell wich­ti­ger ge­we­sen als der Bau einer Sy­n­ago­ge.

Die Mikwe dient der Her­stel­lung ri­tu­el­ler Rein­heit durch Un­ter­tau­chen in le­ben­di­gem Was­serLebendiges Wasser
Maayan / Quelle
מַעֲיָן
. Le­ben­dig sind Grund­was­ser, Quell­was­ser, Re­gen­was­ser, Schmelz­was­ser, Fluss­was­ser. Ein Tauch­be­cken muss min­des­tens 530 Liter um­fas­sen.

Vor dem Be­such einer Mikwe ist eine pe­ni­ble Kör­per­pfle­ge wich­tig. Das reine Was­ser darf durch nichts Kör­per­frem­des ver­un­rei­nigt wer­den: nicht durch Make-up, Schmuck, Pro­the­sen. Vor, wäh­rend und nach dem drei­ma­li­gen Un­ter­tau­chen wer­den Ge­be­te ge­spro­chen.

Alles, was un­rein ge­wor­den ist, seien es Men­schen, seien es Ge­gen­stän­de, … kann nur durch das Un­ter­tau­chen in … Was­ser wie­der rein wer­den.

Mai­mo­ni­des: Hilk­hoth mi­qwa’oth in: Yad ha-cha­zaqqah

Eine Mikwe wird vor allem von Frau­en be­sucht. Als re­li­gi­öse Jü­din­nen stei­gen sie vor der Hoch­zeit, am sieb­ten Tag nach Ende der Men­strua­ti­on oder nach der Ge­burt eines Kin­des in das le­ben­di­ge Was­ser. Vor Be­ginn des Schab­bat ge­hört das Un­ter­tau­chen oft­mals zur Vor­be­rei­tung auf den wö­chent­li­chen Ru­he­tag.

Wer zum Ju­den­tum über­tritt, be­en­det die Kon­ver­si­on mit dem Un­ter­tau­chen in der Mikwe.

Viele Män­ner gehen aus­schließ­lich vor den hohen jü­di­schen Fei­er­ta­gen in eine Mikwe, Ul­tra­or­tho­do­xe oft auch vor dem Schab­bat und man­che Chas­si­dim jeden Tag.

Auch neues Ge­schirr und neue Kü­chen­ge­rä­te sol­len für or­tho­do­xe Haus­hal­te und Kü­chen in der Mikwe ein­ge­taucht wer­den, um kul­tisch rein zu sein.

Die Mikwe, tra­di­tio­nell ein Raum für ver­hei­ra­te­te und frucht­ba­re Frau­en, stößt heute Dis­kus­sio­nen an. Man­che sehen in den Ge­bo­ten für Frau­en man­geln­de Gleich­be­rech­ti­gung oder die Zu­rück­set­zung von alten Frau­en. Man­che jun­gen Jü­din­nen und Fe­mi­nis­tin­nen hin­ge­gen ent­wi­ckeln ganz ei­ge­ne Ri­tua­le. Die Mikwe wird in den letz­ten Jahr­zehn­ten auch als Ort weib­li­cher Spi­ri­tua­li­tät wahr­ge­nom­men.

Eine Mikwe ist ein Raum, in dem alles im Fluss ist.

A Pray­er for a Woman to Say
Be­fo­re Re­tur­ning from the
Mik­veh

To my lover
I weave a hymn of love and joy to you
to be one with you is all that I de­si­re,
to be shel­te­red in the sha­dow of your hand
to know the hid­den mys­te­ry of your fire.
So, God, drape me in the fra­grant sheets of hea­ven.
Bind my clo­thes with cords of satin, soft as a dove.
Braid my hair as you did Eve‘s once in Eden.
And send your an­gels to guide me sa­fe­ly to my love.

Ex­cerpts from Tears of Sor­row, Seeds of Hope
©1999 by Nina Beth Car­din (Wood­stock,VT: Je­wish Lights Pub­lis­hing).
On­li­ne at www.je­wis­h­lights.com. (Sour­ce)

Mik­waot in der Li­te­ra­tur – von Bella Cha­gall bis Es­h­kol Nevo. Ri­tua­le und Ri­tu­al­bä­der von Wi­tebsk bis Is­rael.
Lesen Sie selbst.

Sin­gen Sie selbst.

Was­ser ist die Quel­le des Le­bens, alles ist ab­hän­gig von Was­ser. Aus die­sem Grun­de muss man, so wie die Welt von Was­ser be­deckt war, als G‘tt die Welt schuf, sich auch mit Was­ser be­de­cken, wenn man einen neuen An­fang schaf­fen will.

Men­del Schtroks: Mikwe. Grund­stein jü­di­schen Le­bens, Köln 2010, S. 19