Mikwaot der Welt Jüdische Ritualbäder

Gebet nach dem ers­ten
Ein­tau­chen

Ge­lobt seist Du, Ewi­ger, unser G‘tt, König der Welt,
der uns durch Seine Ge­bo­te ge­hei­ligt hat, und der uns
das Un­ter­tau­chenTwila
טבילה


be­foh­len hat.

Ba­ruch ata ado­nai elohei­nu me­lech ha-olam asher
kid-shanu b‘­mitz­vo-tav v‘tzi-vanu al ha-te­vilah.

Bles­sed are You, Ado­nai, Ruler of the Uni­ver­se, Who
has sanc­ti­fied us with the mitz­vot and com­man­ded
us con­cer­ning im­mer­si­on.

Ri­tu­al­bä­der sind un­trenn­ba­rer Be­stand­teil der jü­di­schen Re­li­gi­on. Ri­tu­el­le Tauch­bä­der wur­den be­reits bei Aus­gra­bun­gen aus der An­ti­ke ent­deckt. Sehr alte Mik­waot sind auf Ma­sa­da und in Kora­zin in Is­rael zu be­su­chen.

Eine teil­wei­se Er­wär­mung des Was­sers in einer MikweWasseransammlung
מקוה
, die z.B. von Quell­was­ser ge­speist wird, ist durch hin­zu­ge­schöpf­tes war­mes Was­ser ge­ne­rell mög­lich. Im Laufe der Jahr­hun­der­te wur­den dazu ver­schie­de­ne Tech­ni­ken ent­wi­ckelt. Mo­der­ne Mik­waot ab der Mitte des 20. Jahr­hun­derts bie­ten zu­meist neben hy­gie­ni­schen Stan­dards wie ge­ka­chel­ten Be­cken immer auch er­wärm­tes Was­ser.

Für die ri­tu­el­le Rein­heitTahor
טהור
einer jü­di­schen Ge­mein­de ist eine Mikwe es­sen­ti­ell. Daher ist ein Ri­tu­al­bad prin­zi­pi­ell wich­ti­ger als der Bau einer Sy­n­ago­ge. So steht es im Tal­mud (Me­gil­la 27a), so sieht es die Halacha, das jü­di­sche Re­li­gi­ons­ge­setz (Igrot Mo­sche, Cho­schen Misch­pat 1,42), vor. 

Die Mikwe dient der Er­lan­gung ri­tu­el­ler Rein­heit durch Un­ter­tau­chen in le­ben­di­gem Was­serLebendiges Wasser
Maayan / Quelle
מַעֲיָן
.
Wie kann Was­ser le­ben­dig sein? Le­ben­dig sind Grund­was­ser, Quell­was­ser, Re­gen­was­ser, Schmelz­was­ser, Fluss­was­ser. Seen mit ste­hen­dem Was­ser kom­men nicht in­fra­ge. Falls es geht, soll­te man keine Flüs­se als Mikwe nut­zen (Schulchan Aruch, Jore Dea 201,2). Dies wurde ins­be­son­de­re nach den Kreuz­zü­gen und den Zwang­stau­fen in Flüs­sen noch­mals dis­ku­tiert.

Ein Tauch­be­cken in einer Mikwe soll­te im bes­ten Fall rund 1000 Liter Was­ser um­fas­sen. Vor dem Be­such einer Mikwe ist eine ganz um­fas­sen­de kör­per­li­che Rei­ni­gung wich­tig. Das reine Was­ser darf durch nichts Kör­per­frem­des ver­un­rei­nigt wer­den: nicht durch Make-up, Schmuck, Pro­the­sen.
Vor, wäh­rend und nach dem drei­ma­li­gen Un­ter­tau­chen wer­den Ge­be­te ge­spro­chen.

Alles, was un­rein ge­wor­den ist, seien es Men­schen, seien es Ge­gen­stän­de, … kann nur durch das Un­ter­tau­chen in … Was­ser wie­der rein wer­den.

Mai­mo­ni­des: Hilk­hoth mi­qwa’oth in: Yad ha-cha­zaqqah

Eine Mikwe wird vor allem von Frau­en be­nö­tigt und be­sucht. Als Jü­din­nen stei­gen sie vor der Hoch­zeit, am sieb­ten Tag nach Ende der Men­strua­ti­on oder nach der Ge­burt eines Kin­des in das le­ben­di­ge Was­ser. Vor Be­ginn des Schab­bat ge­hört das Un­ter­tau­chen oft­mals zur Vor­be­rei­tung auf den wö­chent­li­chen Ru­he­tag.

Wer zum Ju­den­tum über­tritt, be­en­det die Kon­ver­si­on mit dem Un­ter­tau­chen in der Mikwe.

Viele ge­set­ze­streue Män­ner su­chen eine Mikwe re­gel­mä­ßig auf. In un­se­rer heu­ti­gen Zeit gibt es für einen Mann keine aus­drück­lich von der Torah vor­ge­ge­be­ne Pf­licht, im Was­ser un­ter­zut­au­chen. Im Laufe der Zeit sind je­doch Bräu­che ent­stan­den, und viele Män­ner gehen vor den Hohen Fei­er­ta­gen in die Mikwe. Man­che be­su­chen eine Mikwe vor jedem Schab­bat oder Fei­er­tag, man­che Chas­si­dim jeden Tag.

Auch neues Ge­schirr und neue Kü­chen­ge­rä­te sol­len für or­tho­do­xe Haus­hal­te und Kü­chen in der Mikwe ein­ge­taucht wer­den, um kul­tisch rein zu sein.

Die Mikwe, tra­di­tio­nell ein Raum für ver­hei­ra­te­te und frucht­ba­re Frau­en, stößt heute viel­fäl­ti­ge Dis­kus­sio­nen an. Man­che sehen in den Ge­bo­ten für Frau­en man­geln­de Gleich­be­rech­ti­gung oder die Zu­rück­set­zung von alten Frau­en jen­seits der Me­no­pau­se. Man­che junge Jü­din­nen und Fe­mi­nis­tin­nen hin­ge­gen ent­wi­ckeln ganz ei­ge­ne Ri­tua­le. Die Mikwe wird in den letz­ten Jahr­zehn­ten auch als Ort weib­li­cher Spi­ri­tua­li­tät und der Er­lamngung be­son­de­rer Rein­heit, auch nach Trau­ma­ta und an­de­ren ein­schnei­den­den Er­eig­nis­sen, wahr­ge­nom­men.

Im Tal­mud (Kid­du­schin 30a) heißt es, dass G’tt selbst die Mikwe für das ge­sam­te jü­di­sche Volk ist, der es rei­nigt, wenn seine Her­zen zu ihm ge­rich­tet sind.

Eine Mikwe ist ein Raum, in dem alles im Fluss ist. Wo alle Ge­dan­ken flie­ßen und sich ent­wi­ckeln kön­nen. 

A Pray­er for a Woman to Say
Be­fo­re Re­tur­ning from the
Mik­veh

To my lover
I weave a hymn of love and joy to you
to be one with you is all that I de­si­re,
to be shel­te­red in the sha­dow of your hand
to know the hid­den mys­te­ry of your fire.
So, God, drape me in the fra­grant sheets of hea­ven.
Bind my clo­thes with cords of satin, soft as a dove.
Braid my hair as you did Eve‘s once in Eden.
And send your an­gels to guide me sa­fe­ly to my love.

Ex­cerpts from Tears of Sor­row, Seeds of Hope
©1999 by Nina Beth Car­din (Wood­stock,VT: Je­wish Lights Pub­lis­hing).
On­li­ne at www.je­wis­h­lights.com. (Sour­ce)

Mik­waot in der Li­te­ra­tur – von Bella Cha­gall bis Es­h­kol Nevo. Ri­tua­le und Ri­tu­al­bä­der von Wi­tebsk bis Is­rael.
Lesen Sie selbst.

Sin­gen Sie selbst.

Was­ser ist die Quel­le des Le­bens, alles ist ab­hän­gig von Was­ser. Aus die­sem Grun­de muss man, so wie die Welt von Was­ser be­deckt war, als G‘tt die Welt schuf, sich auch mit Was­ser be­de­cken, wenn man einen neuen An­fang schaf­fen will.

Men­del Schtroks: Mikwe. Grund­stein jü­di­schen Le­bens, Köln 2010, S. 19